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Mittelpleistozäne Megafluten in Norddeutschland: Auswirkungen und Magnituden

Dr. Jörg Lang

Institut für Geologie
Leibniz Universität Hannover
Callinstraße 30
30167 Hannover

Tel.: +49 511.762 - 3673
E-Mail: langgeowi.uni-hannover.de

Kurzbeschreibung

Die größten bekannten Fluten auf der Erde hängen mit den katastrophalen Ausbrüchen von Eisstauseen zusammen. Diese Megafluten haben erhebliche Änderungen der kontinentalen Abflusswege verursacht und damit die postglaziale Landschaftsentwicklung entscheidend geprägt. Durch den temporären Eintrag großer Süßwassermengen in die Ozeane wurde die ozeanische Zirkulation beeinträchtigt und damit dramatische Klimaänderungen ausgelöst. Heute verursachen Ausbrüche von glazialen Seen in Hochgebirgsregionen regelmäßig schwere Schäden und stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar.
Während die Magnituden und Auswirkungen von eiszeitlichen Megafluten in Nordamerika bereits relativ gut untersucht sind, fehlt es an vergleichbaren Studien in Europa. Am südlichen Rand des mittelpleistozänen Skandinavischen Eisschilds entstanden große Eisstauseen, die beim Abschmelzen des Eisschilds katastrophal ausgelaufen sind, und dabei die Landschaftsentwicklung maßgeblich beeinflusst haben. Norddeutschland befindet sich aufgrund seiner geographischen Lage in einer Schlüsselposition, um die Dynamik und Auswirkung von pleistozänen Megafluten auf die Eisrandstabilität und Landschaftsentwicklung zu untersuchen. Im Rahmen des Projekts möchte ich folgende Schlüsselfragen beantworten:

1.    Welche Ausdehnung hatten die Eisstauseen entlang des saalezeitlichen mitteleuropäischen Eisrands und wie viel Wasser wurde dort gespeichert?

2.    Sind diese Seen katastrophal ausgelaufen und wodurch sind die Abflusswege charakterisiert?

3.    Welche Magnituden (Abflussraten) hatten diese Ausbruchsfluten und was waren die kennzeichnenden Strömungsparameter (Wassertiefe, Geschwindigkeit, Strömungsregime)?

4.    Welche Auswirkungen hatten die Eisstauseen auf die Stabilität des Eisrandes und die postglaziale Landschaftsentwicklung?

Hierzu soll eine Kombination verschiedener geowissenschaftlicher Untersuchungsmethoden, wie Geomorphologie, Faziesanalyse, Sequenzstratigraphie, statische 3D Untergrundmodellierung und hydronumerische Strömungssimulation angewandt werden. Die Rekonstruktion der Erosions- und Sedimentationsprozesse soll die generelle Rolle von Megafluten für glaziale Ablagerungssysteme analysieren. Die Erkenntnisse lassen sich darüber hinaus auch auf andere, durch hochenergetische Strömungen geprägte, Ablagerungsmilieus übertragen. Die Rekonstruktion der Ablagerungssysteme kann daher als Analogmodell für die Geometrie und Faziesverteilung in Grundwasser- und Kohlenwasserstoffreservoiren dienen. Da Eisstauseen und Ausbruchsfluten eine herausragende Bedeutung für die Eisdynamik haben, lassen sich die Ergebnisse auch auf heutige Gletscher, wie beispielsweise in der Antarktis oder in Hochgebirgsregionen, übertragen.

Laufzeit

24 Monate